Bischofswort

zur neuen Pfarreienstruktur im Bistum Essen  

 

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!

 

Vor einem Jahr habe ich Sie in einem Hirtenwort über die Grundzüge der geplanten Neustrukturierung unseres Bistums informiert. Im vergangenen Frühjahr habe ich dann allen Dekanaten einen „verbindlichen Vorschlag“ vorgelegt, in dem beschrieben war, wie die zukünftigen großen Pfarreien aussehen könnten. Damit habe ich die Bitte verbunden, diesen Vorschlag in den Gemeinden und Dekananten intensiv zu beraten.

 

Dieser Beratungsprozess ist nun abgeschlossen. Ich danke allen Beteiligten für ihren Einsatz und ihre Mühe. Der Aufwand an Zeit und Energie hat sich gelohnt! Aus fast allen Pfarrgemeinden erreichten mich Stellungnahmen. Sie erhielten Hinweise und Gesichtspunkte, die in meinem ersten Vorschlag nicht oder nicht genügend berücksichtigt waren. So wurden Korrekturen nötig und möglich. Ich konnte erkennen, wie groß die Betroffenheit mancher angesichts der bevorstehenden Veränderungen in unseren Gemeinden ist und wie sehr das Denken und Fühlen von Trauer, Angst und Sorge um die Zukunft geprägt sind. Vielfach zeigten sich auch Verständnis für die einschneidenden Veränderungen und die Bereitschaft, die Umstrukturierung als Chance zu begreifen, den Glauben in der Kirche von Essen neu zu beleben. Ich sehe in Zustimmung und Kritik Zeichen eines lebendigen Engagements aus dem Glauben, für das ich als Bischof dankbar bin. 

 

Liebe Schwestern und Brüder, in Ihren Stellungsnahmen haben Sie häufig die Lebendigkeit Ihres Gemeindelebens angeführt. Oft haben Sie gefragt, ob dieser Gesichtspunkt bei meiner Entscheidung auch genügend gewürdigt werde. Ich kann und möchte nicht eine Art „Leistungsbewertung“ des Glaubens und des Gemeindelebens zur Basis eines Neuaufbaus machen. In allen unseren Gemeinden wird in vielfacher Weise der Glaube bezeugt und gelebt. Das Kriterium der Lebendigkeit des Gemeindelebens entzieht sich weitgehend einer objektiven Erfassung. Ich möchte mit Ihnen zusammen dafür aufmerksam werden, wie unterschiedlich Christinnen und Christen ihr Leben aus dem Glauben gestalten und das Gemeindeleben tragen. Manches geschieht dabei ganz unauffällig. So bitte ich Sie darum: Bringen Sie Ihren lebendigen Glauben in die neue Struktur ein! Nehmen Sie ihn mit in das neue gemeindliche Zuhause! Teilen Sie etwas von Ihrem „geistliche Schatz“ mit! Ich bin zuversichtlich: Sie selbst werden bald neue Orte und Menschen als Bereicherung Ihres Glaubens erfahren. 

 

Ihre Bereitschaft, sich ohne Vorurteile und Vorbehalte, aber mit allen Gaben und Kräften gemeinsam auf den Weg zu machen, ist ein zentraler Baustein für das zukünftige Leben der Kirche von Essen. Gehen Sie miteinander, und gehen Sie aufeinander zu, ohne Ängstlichkeit, ohne Misstrauen, aber auch ohne Überheblichkeit. Die künftige Struktur unserer Pfarreien und Gemeinden soll keine Ordnung von oben und unten, von Christen erster, zweiter und dritter Klasse sein. Sie soll ein lebendiger Organismus sein und ein Raum, in dem Menschen die Nähe des menschgewordenen Gottessohnes erfahren können. 

 

Unser Auftrag als Christinnen und Christen in der Kirche von Essen besteht darin, Menschen zu Jesus Christus zu führen. Ich wünsche jedem von Ihnen, liebe Schwestern und Brüder, ein wenig vom Apostel Andreas, der ganz einfach Simon zu Jesus führt (vlg. Joh 1,35). Das kennzeichnet ihn. Darum geht es mir auch für uns. Alles andere ist dem gegenüber zweitrangig. Wichtig bleibt die Entdeckung des Herrn. Darin möchte ich mich gerne mit Ihnen zusammenschließen. Immer mehr möchte ich entdecken , wo Er wohnt, wo Er zu Hause ist, nämlich bei seinem himmlischen Vater. Dass uns das gemeinsam gelingen möge, darum bete ich gerne mit Ihnen.

 

Nun aber steht die Entscheidung darüber an, welche Gemeinden in Zukunft eine Pfarrei bilden werden. Diese Entscheidung möchte ich Ihnen heute für Ihre Gemeinde bekannt geben.

 

Im heutigen Dekanat Gelsenkirchen Buer werden durch Aufhebung aller Pfarrgemeinden und durch die Zusammenführung der entsprechenden Pfarrgebiete zwei neue Pfarreien gegründet, St. Hippolytus und St. Urbanus. Ihre Gemeinde gehört zukünftig zur Pfarrei St. Urbanus, deren Pfarrkirche aufgrund der geschichtlichen Bedeutung, Größe und Lage die gleichnamige Propsteikirche sein wird. Mit 40.748 Katholiken, die derzeit im Gebiet dieser zukünftigen Pfarrei leben, wird dies die größte Pfarrei im Bistum Essen sein.

 

Neben der Gemeinde St. Urbanus gibt es aufgrund ihrer jeweiligen Lage und Bedeutung in verschiedenen Stadtgebieten folgende Gemeinden in der Pfarrei: 

St. Josef in Scholven.  

Herz Jesu in Resse. 

St. Ludgerus in Buer. Aufgrund der Lage und der schlechten Erreichbarkeit soll in Schaffrath die Kirche Heilig-Geist als Filialkirche erhalten bleiben. 

St. Pius in Hassel. Aufgrund der unterschiedlichen Voten ist die bisherige Planung noch einmal genau überprüft worden. Dabei wurde zunächst bestätigt, dass die drei heutigen Pfarrgemeinden in Hassel, St. Michael, St. Theresia und St. Pius, zu einer Gemeinde zusammenwachsen soll. Allerdings wird es entgegen dem Wunsch der Gremien dieser Pfarrgemeinden allein aus finanziellen und personellen Gründen nicht möglich sein, an allen drei Standorten Räume vorzuhalten. Daher habe ich vor allem mit Blick auf die dort vorhandenen Räumlichkeiten und deren Bausubstanz die bisherige Planung bestätigt, nach der in St. Pius der zentrale Gottesdienst- und Versammlungsort für die Gemeinde sein soll. Weil in den Voten aber auch immer wieder die Randlage von St. Pius als Problem angemerkt wurde, soll entgegen der ursprünglichen  Planung das noch recht neue Pfarrheim von St. Theresia als Versammlungsstätte, vor allem auch für die Jugendarbeit in der Gemeinde, erhalten bleiben. Die Kirche St. Theresia muss aber zu den so genannten „weiteren Kirchen“ zählen, für die keine Kirchensteuermittel mehr zu Verfügung gestellt werden können und über deren zukünftige Verwendung noch zu beraten sein wird. Mit Blick auf  das Alter, die Architektur und die zentrale Lage von  St. Michael fällt es mir schwer, auch diese Kirche den „weiteren Kirchen“ zuzuordnen. Die für diesen Standort aber zumindest mittel- und längerfristig zu erwartenden Investitionen zur Bauerhaltung sowie die geringe Zahl an Gottesdienstteilnehmern sind für mich letztlich die Begründung, diesen Schritt dennoch zu tun. 

St. Mariä Himmelfahrt in Buer. Zu dieser Gemeinde, in der die Seelsorge durch Priester des Servitenordens geprägt und verantwortet wird, soll zukünftig auch das Gebiet der heutigen Pfarrgemeinde St. Konrad gehören. Da beide Gemeinden bereits seit einiger Zeit unter der Leitung eines Pastoralteams als Pfarrgemeindeverbund zusammenarbeiten, sind sicher gute Voraussetzungen für das Zusammenwachsen zu einer Gemeinde gegeben. Da in verschieden Voten auf die Lage von St. Konrad im eigenen Ortsteil Middelich hingewiesen wurde, soll abweichend von der ursprünglichen Planung die Kirche St. Konrad der Gemeinde als Filialkirche zur Verfügung stehen.

 

St. Barbara in Erle. Entgegen der ursprünglichen Planung soll diese Gemeinde zur Pfarrei St. Urbanus gehören, weil in allen Voten die historische und räumliche Zuordnung des Stadtteils Erle nach Buer hervorgehoben wurde. Wegen der Größe der Gemeinde St. Barbara, deren Kirche in der historischen Mitte von Erle liegt, soll St. Suitbert der Gemeinde als Filialkirche erhalten bleiben. Für diesen Standort spricht der gute Zustand der Gebäude sowie das expandierende Umfeld. Der Erhalt von mehr als zwei Kirchen ist allerdings im Stadtteil Erle zukünftig finanziell und personell nicht leistbar. Darum muss St. Bonifatius zu den sogenannten „weiteren Kirchen“ zählen. Für St. Ida ist zu prüfen, inwieweit die hier vereinbarte ökumenische Nutzung eine weitere gemeindliche Verwendung erfordert. Anderenfalls muss auch diese Kirche zu den „weiteren Kirchen“ gehören. 

Wie für die bereits genannten „weiteren Kirchen“ können auch für die heutigen Filialkirchen Christus König und St. Hedwig zukünftig keine Kirchensteuermittel mehr gezahlt werden. Hier wird ebenfalls zu prüfen und zu entscheiden sein,  welche andere Nutzung gegebenenfalls möglich ist.

Mit diesen Entscheidungen zu den „weiteren Kirchen“ ist nichts ausgesagt über den Wert der pastoralen Arbeit und Bemühungen der heutigen Gemeinden an diesen Orten, die ich wertzuschätzen weiß. Mit einem herzlichen Dank an alle, die sich hier für die Gestaltung des gemeindlichen Lebens engagieren, verbinde ich die große Hoffnung, dass Sie sich mit gleicher Kraft auch unter anderen Bedingungen für eine lebendige und missionarisch wirksame Präsenz der Kirche in Ihrem Lebensraum einsetzen. 

 

In den nächsten Wochen wird der Herr Generalvikar, einer der Herren Weihbischöfe oder ich selbst mit den Herren Pfarrern, den Pfarrgemeinderatsvorsitzenden sowie den stellvertretenden Kirchenvorstandsvorsitzenden der Pfarrgemeinde zusammenkommen, die zukünftig die neue Pfarrei bilden werden. Bei dieser Zusammenkunft können sicher noch einige Fragen besprochen werden, die in Ihren Voten angesprochen wurden, hier aber keine Beantwortung finden konnten. Nicht zuletzt geht es dann aber darum, nach vorne zu schauen, Perspektiven im dem Blick zu nehmen und die jetzt anstehenden Schritte zu vereinbaren. 

 

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

So also sieht Ihre neue Pfarrei aus! Mir ist bewusst: Diese Entscheidung wird nicht von allen zustimmend aufgenommen werden. Sie wird manche Enttäuschung, vielleicht sogar Verärgerung und Verbitterung hervorrufen, besonders bei denen, die in naher Zukunft ihren vertrauten Gottesdienstort aufgeben müssen. Ich vertraue und baue aber darauf , dass Sie in Gemeinschaft mit dem Bischof, mit den Priestern und Diakonen und mit den pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern diese Entscheidung annehmen. Ich bin zuversichtlich, dass wir im Ruhrbistum mit Gottes Hilfe den Weg in die Zukunft gemeinsam gehen können! Dazu erbitte ich Ihnen den Segen des dreifaltigen Gottes.

 

Ihr

 

Bischof Felix                      

Es handelt sich um eine Abschrift des Bischofswortes, welches am Sonntag, dem 15. Januar 2006, in allen Gottesdiensten einschließlich der Vorabendmesse zu verlesen war.

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